Rohrnetzspülungen

Hr Zoller

Das Netz unter der Erde will gepflegt sein

Herbert Zoller weiß ziemlich genau, wie viele Häuser es in Rüsselsheim gibt, denn er kennt die Zahl der Hausanschlüsse für Wasser. 10.397 sind das - und welches Haus ist schon ohne Wasser? Beim Gas sind 8.114 Hausanschlüsse notiert. Das entspricht einer Anschlussdichte von 82 Prozent, „was im Vergleich zu anderen Städten traditionell sehr hoch ist", sagt der Abteilungsleiter Gas- und Wasserversorgung bei den Stadtwerken...

Die Anfänge vor 80 Jahren
Vor allem die Familie Opel soll, so ist es überliefert, in den 1930-ern auf eine einwandfreie Wasserversorgung in der Stadt gedrängt haben, da viele ihrer Arbeiter häufig an Magenproblemen litten. Das ist nicht verwunderlich. Wo sich Brunnen und Stall auf einem Privatanwesen befanden, war es mit der Hygiene nicht leicht. Bevor die Stadtwerke, die 1951 gegründet wurden, die Versorgung mit Gas und Wasser übernahmen, hat die Stadt diese Aufgabe in eigener Regie erledigt.

Ein vergleichsweise junges Netz
„Man muss auch heute immer etwas am Rohrnetz tun, sonst wird man von der Entwicklung überholt", sagt Herbert Zoller, der „Herr der Rohre". 199 Kilometer Wasserleitungen und 189 Kilometer Gasleitungen durchziehen wie unterirdische Adern die Stadt. Mindestens in den nächsten zehn Jahren muss das Versorgungsnetz nach und nach erneuert werden - was allein in diesem Jahr mit 2,2 Millionen Euro Aufwand verbunden ist. Dabei verfügt Rüsselsheim noch über ein vergleichsweise junges Rohrnetz aus den 1950-ern, jener Zeit, in der die Stadt rasch wuchs. Deshalb ist das Rohrnetz eigentlich zu groß angelegt, denn damals ging man davon aus, dass die Stadt einmal 100.000 Einwohner haben würde.

Kleine Rohre in der Siedlung
„Wir kennen unsere Schwachstellen und Problemzonen", sagt der 53-jährige Zoller. Wenn Leitungen „von innen zuwachsen", weil sich Mineralien ablagern, fließt weniger Wasser oder der Druck fällt ab. „Da gibt es dann rasch Hinweise von Anwohnern." Vor allem in der Ebert- und in der Böllenseesiedlung, kann das vorkommen, weil hier die Leitungen mit einem Durchmesser von 80 Millimetern relativ klein sind - die Hauptversorgungsleitungen von den Wasserübergabepunkten am Schönauer Hof und in Haßloch sind zehn Mal so dick.

Ablagerungen von Mineralien
Rüsselsheim hat mit Inkrustation, wie die Ablagerung von Mineralien genannt wird, mehr zu kämpfen als andere Städte, da dieses Problem durch hartes und eisernhaltiges Wasser begünstigt wird. Doch die Stadtwerke haben die Zeit auf ihrer Seite: Werden Wasserleitungen erneuert, kommen die alten aus Grau- und Duktilguss raus und Rohre aus dem Kunststoff Polyethylen werden verlegt, die für Inkrustation weniger anfällig sind. Um Ablagerungen zu vermeiden, wird jede Leitung einmal im Jahr gespült - eine aufwändige Arbeit, mit der die zehn Monteure und drei Meister aus Zollers Abteilung einen Großteil ihrer Zeit beschäftigt sind.

Arbeiten werden gebündelt
Wenn irgendwo in Rüsselsheim die Erde aufgerissen wird, werden bei Bedarf gleich alle Versorgungsleitungen ausgetauscht. Deshalb erfolgen die geplanten Arbeiten stets in enger Absprache mit dem städtischen Tiefbauamt und dem Amt für Straßen- und Verkehrswesen. Während die Stadtwerke für die Wasserversorgung zuständig sind, liegt die Entsorgung des Abwassers bei der Stadt.

altes Wasserrohr

Stadtwerke sind auch nachts im Einsatz

Arztpraxen, Gastronomie und Gewerbe profitieren von diesen Rohrnetzspülungen

Üblicherweise werden auch in Rüsselsheim die Wasserrohre tagsüber gespült. „Doch es gibt sensible Bereiche, in denen das zu Problemen führen würde", sagt Herbert Zoller. Der Abteilungsleiter für die Gas- und Wasserversorgung bei den Stadtwerken Rüsselsheim denkt vor allem an Arztpraxen, Gastronomie, Hotels, große Bürohäuser und Gewerbebetriebe, für die es erhebliche negative Auswirkungen hätte, wenn sie tagsüber für längere Zeit von der Wasserversorgung abgeschnitten wären. Vor diesem Hintergrund waren Mitarbeiter der Stadtwerke Rüsselsheim zusammen mit denen eines Fachunternehmens in den vergangenen Tagen nachts im Einsatz, um Wasserrohre zu spülen.

Mineralien lösen sich
„Wenn die Leitungen nicht regelmäßig von Inkrustationen, also Ablagerungen, gereinigt werden, würden sie quasi von innen zuwachsen ", erläutert Roger Schneider, der die Rohrnetzspülungen geleitet hat. Vor allem Mineralien, die sich aus dem Wasser lösen, lagern sich ab. Werden diese Eisen- und Mangan-Partikel nicht entfernt, bilden sie die Grundlage, auf der sich Schlammstoffe absetzen. Solche Inkrustationen haben zur Folge, dass weniger Wasser durch die Rohre fließt oder der Wasserdruck nachlässt.

Luftblasen im Netz
Die Stadtwerke Rüsselsheim arbeiten mit einem patentierten Verfahren, dem Impulsspülverfahren. Hier werden mit einem Kompressor Luftblasen ins Netz eingebracht, die die abgelagerten Partikel lösen. „Dieses Verfahren hat sich bewährt und den Vorteil, dass die Spülungen nur alle fünf Jahre erforderlich sind", sagt Abteilungsleiter Herbert Zoller.

Eichsfeld und Berliner Platz
Zu den Gebieten, in denen nachts gespült wurde, gehören das Eichsfeld mit Darmstädter Straße und Rheinstraße, das Gebiet um den Berliner Platz und der Bereich Karlsbader Straße/ Auriger Straße. „Im Vorfeld sind zahlreiche persönliche Gespräche erforderlich, zum Beispiel mit den Gewerbetreibenden und Ärzten, um alle Fragen rund um die Rohrnetzspülung zu klären", berichtet Roger Schneider. 199 Kilometer lang sind die Leitungen, über die knapp 10 500 Haushalte und Gebäude in Rüsselsheim mit Wasser versorgt werden.