Enthärtungsanlagen

Stadtwerke halten Enthärtungsanlagen für nicht erforderlich
"Immer wieder ist der Rat der Stadtwerke gefragt", berichtet Torsten Jung, Leiter der Kundenbetreuung. So wollen Kunden wissen, ob es sinnvoll ist, mit Enthärtungsanlagen das vergleichsweise harte Trinkwasser in Rüsselsheim weicher zu machen. "Grundsätzlich ist das nicht erforderlich", lautet die Antwort von Herbert Zoller, Abteilungsleiter Gas- und Wasserversorgung. Die Kalkablagerungen, die durch hartes Wasser in Leitungen und Geräten verursacht werden, lassen sich häufig auf andere Weise ausräumen. "Mit natürlicher Essig- oder Zitronensäure lassen sich Dampfbügeleisen und andere Kleingeräte rasch wieder flott machen", sagt Torsten Jung.

Von 1500 Euro aufwärts
Wenn es dennoch eine private Enthärtungsanlage sein soll, hat sich das Kationenaustauschverfahren durchgesetzt, erklärt Herbert Zoller. Solche Anlagen kosten von 1500 Euro an aufwärts. Sie werden mit Kochsalz betrieben, dessen Natriumionen ins Wasser übergehen und dort die für die Kalkbildung verantwortlichen Calcium- und Magnesiumionen ersetzen. Herbert Zoller weist aber darauf hin: "Solche Anlagen erzeugen auch auf Dauer Kosten." Das Kochsalz muss nachgefüllt werden, außerdem ist eine regelmäßige Wartung angeraten, da nicht funktionierende Austauscher das Wasser verschmutzen können."

Skepsis angebracht
Von Geräten zur so genannten "physikalischen Wasserenthärtung" rät Herbert Zoller indes ab. "Sie sind stark umstritten." Es gibt keinen wissenschaftlichen Nachweis dafür, dass sie wie versprochen die Neigung der Ionen im Wasser verringern, sich als Kalk abzusetzen.

Härteklasse 3
Das Wasser für Rüsselsheim, das von den Stadtwerken Mainz und der Hessenwasser geliefert wird, ist in der Härteklasse 3, der höchsten, eingestuft. "Daran lässt sich auch nichts ändern", sagt Herbert Zoller und erklärt die chemischen Hintergründe. Vor allem in Gegenden mit Kalk- und Sandstein, aus denen auch das Rüsselsheimer Wasser gewonnen wird, reichert sich das Grundwasser auf dem Weg durch die Gesteinsschichten mit elektrisch geladenen Calcium- und Magnesiumionen an.

Wie Kalk entsteht
Die Ionen neigen dazu, ihre Ladungen wieder auszugleichen. Wenn das geschieht, entsteht Kalk, der sich dann in Leitungen, Wasserhähnen und Duschköpfen festsetzt und sie verstopfen kann. Dieser chemische Prozess läuft auch in Geräten ab, in denen Wasser erhitzt wird. Wasserkocher, Waschmaschinen und Kaffeemaschinen müssen daher in Gegenden mit hartem Wasser häufiger entkalkt werden.

Waschkraft geht verloren
"Besonders gerne reagieren die Ionen mit Waschmitteln", sagt Zoller. Dabei geht ein Teil der Waschkraft verloren, weswegen eine höhere Dosierung von Waschmittel notwendig ist, da der Kalk sonst weiße Flecken auf der Kleidung hinterlässt. Außerdem kann hartes Wasser sich nachteilig auf den Geschmack, beispielsweise von Tee, auswirken. "Auf der anderen Seite hat hartes Wasser einen ausgesprochenen Vorteil - es enthält mehr Mineralien, vor allem das lebenswichtige Calcium und Magnesium, und ist somit einen Tick gesünder als weiches Wasser", sagt Torsten Jung.

Tipps zum Umgang mit Kalk
Letztlich bleibt es eine Rechenaufgabe, ob die Kosten und Nachteile, die hartes Wasser mit sich bringt, schwerer wiegen als die Investition in eine Enthärtungsanlage, meint der Leiter der Kundenbetreuung. "Auf unserer Homepage geben wir Tipps zum Umgang mit dem Kalk, wie sich zum Beispiel Flecken auf Armaturen und Wannen rasch und kostengünstig entfernen lassen oder wie das Waschmittel richtig dosiert wird." Weitere Informationen