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Stadtwerke befürchten Wettbewerbsverzerrung

(vom 28.06.2018)

Stromkunden erhalten eine separate Rechnung für ihre moderne Messeinrichtung

In den kommenden Tagen erhalten  die ersten 50 Stromkunden in Rüsselsheim am Main eine besondere Rechnung: Sie müssen die Kosten für ihren Stromzähler separat und direkt an die Stadtwerke Rüsselsheim bzw. ihre 100-prozentige Tochtergesellschaft Energieversorgung  Rüsselsheim GmbH bezahlen.  Grund dafür ist eine vom Gesetzgeber veranlasste Änderung. Jeder Stromlieferant hat das Wahlrecht bekommen, die Kosten wie bisher über seine Stromrechnung an den Kunden weiter zu berechnen oder diesen Preisanteil der Stromlieferung zukünftig rauszunehmen und über den Netzbetreiber direkt mit dem Kunden abrechnen zu lassen.

Kunden von zwölf Lieferanten betroffen

Zwölf Stromlieferanten haben von dieser neuen Möglichkeit in Rüsselsheim  Gebrauch gemacht. „Als örtlicher Netzbetreiber sind wir gezwungen, diese Rechnungen zu erstellen, ob es uns gefällt oder nicht“, erklärt Matthias Schweitzer, Prokurist und Bereichsleiter Technik und Netze bei den Stadtwerken. Die Wahlmöglichkeit für die Rechnung gilt nur für die neuen modernen Stromzähler, allgemein als Smart Meter bekannt, die nun nach und nach auch in Rüsselsheim zum Einsatz kommen.

Das können die Folgen sein

Die Kosten für den modernen Stromzähler, die der Stromnetzbetreiber erhält, betragen 20 Euro im Jahr und zwar unabhängig davon, wer sie dem Verbraucher in Rechnung stellt. Doch Matthias Schweitzer verweist auf mögliche negative Folgen der neuen Regelung. Erstens: Es ist zu erwarten, dass der Stromlieferant seinen Strompreis nicht in vollem Umfang um den Messstellenpreis absenkt. Zweitens: Wenn der Verbraucher eine weitere Rechnung für die Messung bekommt, führt das nicht zu mehr Klarheit, sondern zu Verwirrung. Drittens: Wenn der Stromlieferant nicht mehr die Kosten für den Zähler mit abrechnet, ist der von ihm angegebene Strompreis nicht mehr vollständig und wirkt im Vergleich mit anderen Lieferanten günstiger – was zu Wettbewerbsverzerrungen führen kann.

Das sind die zwölf Lieferanten

Im Stromnetzgebiet Rüsselsheim wurden alle 200 Stromlieferanten angefragt, welche Lösung sie bevorzugen. Folgende Lieferanten möchten nicht mehr direkt mit dem Verbraucher abrechnen: 365 AG, E wie Einfach GmbH, Energy2day GmbH, ExtraEnergie GmbH, Eveen Energie eG, Fuxx GmbH, Goldgas SL GmbH, Goldgas GmbH, KlickEnergie GmbH & Co.KG, MONTANA Energieversorgung GmbH & Co.KG, NEW GmbH, Strogon GmbH.

Appell an den Gesetzgeber

„Die Digitalisierung der Energiewirtschaft ist richtig und sinnvoll“, meint Schweitzer. „Doch mit der Wahlmöglichkeit bei der Abrechnung hat der Gesetzgeber sich zu sehr von marktwirtschaftlichen und wettbewerbsrechtlichen Überlegungen leiten lassen.“ Leidtragende sind aus seiner Sicht die Verbraucher: Sie können letztlich nicht mehr sicher sein, dass der Strompreis des einen Anbieters problemlos mit dem eines anderen Anbieters zu vergleichen ist. Der Bereichsleiter der Stadtwerke appelliert: „Der Gesetzgeber wäre gut beraten, hier nachzubessern und die Wahlmöglichkeit wieder abzuschaffen. Einfacher und kostengünstiger ist es sicherlich, die Abrechnung wie bisher zu belassen.“

 

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