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Busfahrer stehen unter enormen Zeitdruck

(vom 25.07.2013)

Interview mit Bernd Kuhne über schwierige Situationen in seinem Alltag
Busfahrer ist kein leichter Beruf. Was es im Alltag für  Probleme und Schwierigkeiten gibt, darüber sprachen wir mit Bernd Kuhne (59), seit 33 Jahren als Busfahrer bei den Stadtwerken Rüsselsheim im Dienst.  

Busfahrer sind oft unfreundlich, heißt es. Stimmt das Vorurteil?
Wir stehen unter enormen Zeitdruck. Doch wenn man sich beeilt, wird einem das als unfreundlich ausgelegt. Doch Zeit zum Diskutieren haben wir nicht. Sonst meckern die nächsten, weil sie nicht pünktlich zum Zug oder zur Arbeit kommen. Und wenn es dann noch Jugendliche gibt, denen es Spaß macht, im Bereich der Lichtschranke stehen zu bleiben, damit die Tür nicht automatisch zugeht, damit niemand eingeklemmt wird, dann muss man schon ein geduldiger Mensch sein, um freundlich zu bleiben.

Porträit Busfahrer

Könnten Sie Jugendliche, die aus Mutwillen den Fahrablauf stören, nicht des Busses verweisen?
Das ist richtig. Die Busfahrer haben im Bus das Hausrecht. Und für solche Jugendliche wäre es eine gute Erfahrung, wenn sie nicht mitgenommen würden und mal laufen müssten. Doch wenn ich jemand aus gutem Grund des Busses verweise und er dieser Aufforderung nicht nachkommt, muss ich die Polizei rufen, um das Hausrecht durchzusetzen. Doch das dauert - und so lange steht der Bus mit allen Fahrgästen und kommt nicht vom Fleck. Das mit dem Hausrecht ist  leichter gesagt als in der Praxis umgesetzt. Ich würde mir wünschen, dass sich in solchen Situationen andere Fahrgäste einmischen und so einen Unruhestifter zur Räson bringen.

An den Fahrerkabine hängt das Schild: „Fahrer während der Fahrt nicht ansprechen" - dennoch sieht man Fahrer während der Fahrt mit Fahrgästen reden. Wie passt das zusammen?
Der Fahrer kann Gespräche führen, wenn er dadurch nicht von seiner eigentlichen Aufgabe abgelenkt wird, den Bus und die Fahrgäste sicher und zuverlässig ans Ziel zu bringen. Daher muss jeder Fahrer entscheiden, wann und wie lange er redet. Doch wenn es eng ist und der Fahrer sich konzentrieren muss, kann er nicht reden. Darauf soll das Schild die  Fahrgäste hinweisen.

Diskussionen gibt es immer wieder um die Mitnahme von Hunden. Müssen die Tiere einen Maulkorb tragen?
Das ist ein sehr, sehr schwieriges Feld. In den Beförderungsbestimmungen des RMV ist klar geregelt, dass Hunde einen Maulkorb tragen sollen und der Fahrer entscheidet, ob ein Hund befördert werden kann.  Da geht es nicht allein darum, ob der Hund einen aggressiven Eindruck macht. Gerade wenn es im Bus voll ist, ist nicht auszuschließen, dass bei einer Bremsung jemand ungewollt auf den Hund tritt. Auch kommt es darauf an, ob andere Fahrgäste Angst vor dem Hund haben. Wichtig ist auch, wie der auftritt, der am anderen Ende der Leine steht: Wenn der Halter aggressiv auftritt, hat auch der Hund schlechtere Karten.  Es kommt immer auf die Situation an, und daher kann es sogar passieren, dass ein Hund auf der Hinfahrt ohne Maulkorb mitdarf und bei der Rückfahrt nicht. Doch Maulkorb klingt so böse. Mir würde es schon reichen, wenn der Hund ein Klettband ums Maul hätte, damit er nicht beißen kann.

Nach den Beförderungsbestimmungen des RMV müssen Fahrer beim Fahrkartenverkauf auf  bis zu 20 Euro herausgeben können.   Was ist, wenn jemand mit einem 50-Euro-Schein bezahlen will?
Wenn genügend Wechselgeld da ist, bekommt er es auch. Von daher kann es das Problem vor allem bei der ersten Tour geben. Weil ich dann noch genügend Wechselgeld brauche,  wenn danach zwei Fahrgäste mit 20-Euro-Scheinen kommen. Doch wenn ich nicht rausgeben kann,  bitte ich den Fahrgast,  ob jemand anderes im Bus ihm wechseln kann. Wenn das auch nicht geht, kann er auch mit 50 Euro bezahlen und bekommt eine Quittung über den Betrag, den er nicht zurückbekommen hat. Diese Quittung kann er dann beim RMV oder den Kundenzentren der Stadtwerke einlösen. Doch es gibt auch ein paar Spezies, die absichtlich mit 50 Euro zahlen wollen, weil sie glauben, sie dürften dann umsonst mitfahren, wenn sie nur ihre Zahlungsbereitschaft demonstrieren.

Gibt es weitere Probleme mit dem Geld?
Bisweilen wird versucht, die Busfahrer übers Ohr zu hauen. Bei zehn Leuten, die ihre 1,80 Euro für einen Fahrschein in kleinen Münzen zahlen, stimmt es bei zwei nicht. Doch wenn die Kasse nicht stimmt, muss der Busfahrer die Differenz zahlen. Wir haben nur ein Abweichungsmanko von fünf Euro im Monat,  mit dem wir Fehlbeträge ausgleichen können.

Immer wieder müssen sich Busfahrer auch unschöne Dinge, manchmal sogar Beleidigungen  anhören.
Das ist richtig. Gerade wenn wir mit Verspätung unterwegs sind, gibt es oft böse Worte. Das ist nicht immer leicht, auch wenn man weiß, der Fahrgast meint nicht Dich als Mensch, sondern braucht einen Blitzableiter für seinen Ärger. Dabei liegt die Verzögerung ja nicht am Busfahrer. Die tun ihr Bestes. Wenn der allgemeine Verkehr es nicht hergibt, können sie auch nicht schneller fahren. Oder wenn an einer Haltestelle eine Schulkasse einsteigt und jedes Kind einen eigenen Fahrschein bezahlt, dann kann es rasch, sechs, sieben Minuten Verspätung geben.

Sie sagen es immer wieder: Busfahrer stehen unter enormen Zeitdruck.
Ja, das wird bisweilen von den Fahrgästen gar nicht so wahrgenommen und ist ja im Grunde auch gut so. Doch wenn jemand detailliert Fahrplanauskünfte haben möchte, dann fehlt uns einfach die Zeit dafür. Ich bitte dann darum, sich bei der Mobilitätszentrale am Bahnhof zu informieren oder das Kundenzentrum der Stadtwerke anzurufen.  Oder bei dem Beispiel mit der Schulklasse: da würde ich mir wünschen, dass die Lehrerin sich vorher informiert und zum Beispiel eine Gruppenkarte kauft.

Haben Sie noch weitere Wünsche?
Allgemein wünsche ich mir, dass den Busfahrer mehr Respekt und Freundlichkeit entgegen gebracht wird.  Und von den Autofahrern wünsche ich mir, dass sie mehr Rücksicht nehmen und auch einmal auf ihre Vorfahrt verzichten, um dem Bus den Vorrang zu lassen. Zum Beispiel beim Linksabbiegen. Ein Auto kommt letztlich viel schneller durch die Stadt als ich mit meinen 18-Meter-Bus. Und wenn ich gut durch den Verkehr komme, dann sinkt  der Zeitdruck und alles entspannt sich.

Einstieg mit Hunden
Immer wieder Anlass für Diskussionen: Die Mitnahme von Hunden im Bus.
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