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„Rüsselsheimer Wasser ist klasse!“

Vortrag zeigt historische Probleme auf / Geschäftsführer liegt Gerechtigkeit am Herzen

(09.11.2010) Mehr als dreißig Jahre hat es von der Idee bis zur Realisierung eines Wasserwerks für Rüsselsheim im Jahre 1929 gedauert. Das erfuhren die Zuhörerinnen und Zuhörer, die zur Vortragsveranstaltung „Wasserversorgung in Rüsselsheim, gestern - heute - morgen" in den Lesesaal des Stadtarchivs gekommen waren. Gudrun Senska, Leiterin des Archivs, präsentierte einen historischen Abriss zur Geschichte, Stadtwerke-Geschäftsführer Hans-Peter Scheerer zeigte die weitere Entwicklung bis in die Gegenwart auf.


Massive Erdarbeiten gab es beim Wasserleitungsbau in den 1930er Jahren in der Böllenseesiedlung, wie dieses Fotos aus dem Fundus des Rüsselsheimer Stadtarchivs zeigt.

Probebohrungen anno 1897
Bereits 1897 hatten Probebohrungen im Rüsselsheimer Wald dem dortigen Wasser eine exzellente Qualität bescheinigt. „Schon damals hieß es: Das Rüsselsheimer Wasser ist klasse", berichtete Gudrun Senska. Doch in den folgenden Jahrzehnten galt es, etliche Hindernisse zu überwinden. So gab es Bedenken hinsichtlich der Senkung des Grundwasserspiegels und einer damit verbundenen möglichen Schädigung des Waldes. Zudem gab es widerstreitende Interessen zwischen Rüsselsheim, dem Kreis Groß-Gerau sowie den Städten Mainz und Wiesbaden.

Viele Umwege
Etliche weitere Bohrungen, Gutachten und Vertragsverhandlungen waren nötig, bis am 5. März 1929 das von der Stadt Mainz betriebene Wasserwerk „Schönauer Hof" seine Arbeit aufnahm und Wasser aus Rohrleitungen in die Rüsselsheimer Haushalte lief. Der „Schönauer Hof" versorgt die Bürgerinnen und Bürger der Stadt noch immer mit Wasser. Seit 1967 wird zusätzlich auch von der Hessenwasser (vormals Riedwerke) Wasser geliefert.

Probleme bei Bränden
Senskas Vortrag wartete mit vielen historischen Details auf. Da Wasser nur aus Brunnen geschöpft werden konnte, musste jeder Ortsbürger bis ins 19. Jahrhundert einen Feuereimer zur Brandbekämpfung bereithalten. Im Jahr 1879 gründete sich zwar eine freiwillige Feuerwehr, doch das Feuerlöschen blieb äußerst schwierig, bis es 1932 dank der öffentlichen Wasserversorgung in der ganzen Stadt ausreichend Unterflurhydranten gab.


Steigender Bedarf
Hans-Peter Scheerer (Bild), Geschäftsführer der Stadtwerke Rüsselsheim, wies in seinem Vortrag darauf hin, dass die Versorgung von den 1950er bis zu den 1970er Jahren vor allem durch steigenden Wasserverbrauch geprägt war. Die Prognosen gingen von bis zu 130.000 Einwohnern aus. Entsprechend groß wurde das Rohr- und Leitungsnetz ausgelegt. „Obwohl Rüsselsheim nun nur halb so groß ist, müssen die Folgekosten dieser Überdimensionierung bis heute getragen werden."

Höhepunkt überschritten
In Rüsselsheim erreichte der Verbrauch 1979 mit rund 5,3 Millionen Kubikmeter Wasser seinen Höhepunkt. „Seit den 1980er und verstärkt in den 1990er Jahren änderte sich das Umweltbewusstsein und die Wasserverbräuche sanken zum Teil erheblich", berichtete Scheerer. Heute liegt der Verbrauch in Rüsselsheim bei etwas weniger als drei Millionen Kubikmeter Wasser im Jahr.

Ökologisch ausbalanciert
Nach seiner Einschätzung ist das System der Wasserversorgung in Südhessen derzeit ökologisch ausbalanciert. Hinsichtlich der ökonomischen Nachhaltigkeit plädiert er für den dauerhaften Erhalt des Leitungssystems, auch wenn es kurzfristig gewinnbringender wäre, dies nicht zu tun. „Doch damit würden wir die Kosten auf die nächsten Generationen abwälzen, nur um jetzt günstigere Preise anbieten zu können."

Gerechte Kostenverteilung
Wichtig ist es Scheerer, dass jeder Verbraucher den Anteil an den Kosten zu tragen hat, den er tatsächlich verursacht. Die kommunale Wasserversorgung ist dabei für ihn der beste Weg, diese Gerechtigkeit zu garantieren und solche Aspekte nicht den Renditeerwartungen von börsennotierten Unternehmen unterzuordnen.

Kunden sind zufrieden
Nach einer aktuellen Kundenumfrage der Stadtwerke bevorzugen es 83 Prozent der Befragten, ihr Wasser vom lokalen Versorger zu beziehen, 17 Prozent sind unentschieden. Niemand gab an, einen überregionalen privaten Anbieter vorzuziehen. Hans-Peter Scheerer freut es, dass „die Rüsselsheimerinnen und Rüsselsheimer mit der Wasserversorgung zufrieden sind".