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Spülmaschine ist der größte Energiefresser
Familie Ewald-Vögtle ist erstaunt: Standby verbraucht unerwartet viel Strom
(15.05.2010) Für Kerstin Vögtle war es die größte Überraschung: Nicht die Waschmaschine, nicht der Kühlschrank, nicht die Gefriertruhe, sondern die Spülmaschine verbraucht von allen elektrischen Geräten im Haushalt den meisten Strom im Jahr. 1,4 Kilowattstunden benötigt sie pro Waschgang, selbst wenn die Spartaste gedrückt ist. Aufs Jahr summiert sich das bei angenommenen 336 Spülgängen auf gut 473 Kilowattstunden.- bei einem Strompreis von 20 Cent die Kilowattstunde kostet das knapp 95 Euro im Jahr. „Damit hätte ich nicht gerechnet, für mich hatte die Spülmaschine vor allem etwas mit Wasser- und nicht mit Stromverbrauch zu tun", sagt die 46-jährige Diplom-Pädagogin.
Energieberater Hans Dieter Scherer-Gerbig (links) bespricht die Messeregebnisse mit Kerstin Vögtle und Uwe Ewald.
15-Jahres-Vergleich
Sie und ihr Mann Uwe Ewald haben sich bei den Stadtwerken Rüsselsheim ein Energiemessgerät ausgeliehen, um den Stromfressern in ihrem Haushalt auf die Spur zu kommen. Die Stadtwerke hatten sie zur Energiesparfamilie erkoren und ihnen den unabhängigen Energieberater Hans Dieter Scherer-Gerbig zur Seite gestellt, der mit dem Paar die Messwerte bespricht. "Eine neue, sparsame Spülmaschine verbraucht 40 Prozent weniger Strom", sagt der Fachmann. Im 15-Jahre-Vergleich - dem Zeitraum, den ein Elektrogerät üblicherweise hält - würde eine neue Spülmaschine 575 Euro weniger Stromkosten verursachen als die vorhandene. Der Energieberater verweist darauf, dass die Ersparnis noch größer sein wird, denn der Strompreis wird in den nächsten 15 Jahren mit Sicherheit steigen.
Standby am PC
Uwe Ewald hat herausgefunden, dass Computer und Monitor im Standby-Modus mehr Kosten verursachen als bei der eigentlichen Nutzung. "Erstaunlich", so der Kommentar des 48-jährigen Architekten. 300 Stunden im Jahr läuft der PC, der nur für private Belange angeschaltet wird. Bei 130 Watt Verbrauch pro Stunde sind das im Jahr Kosten von 7,80 Euro. Hingegen werden in den anderen 23 Stunden am Tag standby elf Watt verbraucht, was am Jahresende 19,27 Euro verschlingt. "Unsinnig vergeudete Energie", wie Scherer-Gerbig meint. Da hilft nur: Den Stecker ziehen oder eine Steckdosenleiste verwenden, die sich ausschalten lässt.
Was Fernsehen kostet
Die zehnjährige Tochter Charlotte möchte wissen, wie teuer eine Stunde Fernsehen (inklusive Satellitenreceivers) ist. Auch hier lässt sich an Hand des Messgerätes eine Antwort finden: Knapp vier Cent. Doch auch beim Fernsehen verursacht Standby unerwartet hohe Kosten. Drei Stunden Laufzeit am Tag schlagen mit 540 Watt zu Buche. Dagegen werden in den restlichen 21 Stunden am Fernseher täglich 193 Watt standby aus der Steckdose gezogen - was sich auf 11,17 Euro Stromkosten im Jahr anhäuft.
Kühlschrank überrascht
Der alte Kühlschrank in der Küche von Vögtle-Ewald hat dagegen besser abgeschnitten als die beiden vermutet haben. 225 Kilowattstunden im Jahr braucht er. Macht 45 Euro Stromkosten im Jahr, macht im 15-Jahres-Vergleich 675 Euro, was 420 Euro mehr sind, als wenn sich die Familie einen neuen, energieeffizienten Kühlschrank anschaffen würde. Doch das will das Ehepaar vorerst nicht, weil es sich scheut, etwas wegzuwerfen, was noch funktioniert. Doch es gilt die Aussage von Uwe Ewald: "Wenn wir ein neues Gerät kaufen, werden wir das energieeffizientes kaufen, das es gibt, selbst wenn es ein paar Euro teurer ist."
Strom vom Dach
Kerstin Vögtle beruhigt ihr ökologisches Gewissen damit, dass die Familie mit der Solaranlage auf dem Dach des Einfamilienhauses Strom umweltfreundlich gewinnt, nämlich rund 4200 Kilowattstunden im Jahr und damit mehr, als sie mit 3800 Kilowattstunden verbraucht. Für Energieberater Scherer-Gerbig kommt es in erster Linie darauf an, dass Menschen sensibler für den Umgang mit Energie werden: "Das ist die Grundlage für alle weiteren Entscheidungen."
Messgerät ausleihen
Die Stadtwerke Rüsselsheim verleihen das Energiemessgerät kostenlos. Erhältlich ist es im Kundenzentrum in der Walter-Flex-Straße 74. Es empfiehlt sich, vorher unter 06142/500-0 anrufen und zu klären, ob es zum gewünschten Zeitpunkt verfügbar ist. In den Kundenzentren der Stadtwerke gibt es auch die Broschüre "Besonders sparsame Haushaltsgeräte", in der die günstigsten Fabrikate für Elektrogeräte aufgeführt sind und weitere Informationen zum Thema geliefert werden.