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Kamerunerin macht Praktikum bei den Stadtwerken

Studentin der Energiewirtschaft holt sich Anregungen für ihre Bachelor-Arbeit

(28.10.2008) Eine solche Praktikantin haben die Stadtwerke Rüsselsheim nicht alle Tage: Shinaz Gadjou Tyam, Studentin der Energiewirtschaft und gebürtige Kamerunerin, lernt binnen sechs Monaten alle Abteilungen des kommunalen Energieversorgers kennen. Nachdem sie in der kamerunischen Hauptstadt Yaoundé bereits ein Wirtschaftsstudium abgeschlossen hat, stand sie vor dem Problem, in der zentralafrikanischen Republik keine Anstellung zu finden. Ihr Bruder, der bereits mehrere Jahre in Deutschland gelebt hat, brachte sie darauf, ihm zu folgen.

Alle Prüfungen bestanden
Shinaz Gadjou Tyam besuchte einen Deutschkurs am Goethe-Institut Yaoundé und flog dann in den kalten Norden. Da ihr Kameruner Abschluss in Deutschland nicht anerkannt wird, beschloss sie, an die Hochschule Darmstadt zu gehen, um Energiewirtin zu werden. „Mein altes Studium hilft mir hier viel", erzählt die 29-Jährige. „Die Ausbildung zur Energiewirtin deckt einen sehr großen Themenbereich ab - von Maschinenbau über Thermodynamik bis Betriebswirtschafslehre ist alles mit drin." Im siebten Semester ihres Studiums an der TUD hat sie bereits sämtliche Prüfungen bestanden. Zum Abschluss muss sie nun nur noch dieses Praktikum und ihre Bachelor-Arbeit abliefern.

Abwechselung zur Theorie
Die Arbeitserfahrung bei den Stadtwerken Rüsselsheim ist ihr eine willkommene Abwechslung von der grauen Theorie der Hörsäle. Mit einem schüchternen Lächeln erläutert sie, dass ihr das Gelernte aus der Uni zwar sehr helfe, hier die Arbeit aber doch ganz anders und viel praktischer ist. In ihrem ersten Monat, in der Abteilung „Energiedienstleistungen", wurde ihr beispielsweise beigebracht, wie sie Energieausweise für Immobilien erstellt. Momentan schaut sie sich die Öffentlichkeitsarbeit an und lernt dort unter anderem den Umgang mit Kundendaten.

Lob seitens der Stadtwerke
Auch auf Seiten der Stadtwerke sind die Verantwortlichen mit der neuen Praktikantin sehr zufrieden. „Wir profitieren von ihrer Neugier - so müssen wir unsere eigene Arbeit hinterfragen",  sagt der Technische Leiter Matthias Schweitzer. Und Sven Halling, Leiter der Energiedienstleistungen lobt Shinaz: „Sie zeigt großes technisches Verständnis und bringt Vieles schon mit, was sie später im Beruf braucht."

Deutsch als vierte Sprache
„Ich schaue mich hier ja auch nach einem Thema für meine Bachelor-Arbeit um, da habe ich schon mehrere sehr gute Anregungen bekommen" erklärt Gadjou Tyam. In ihrem vierten Jahr in Deutschland macht sie bei der Aussprache ab und an noch kleine Fehler, allerdings ist Deutsch neben ihrer Muttersprache Ghomala' und den kamerunischen Amtssprachen Englisch und Französisch ihre vierte Sprache. „Leider vergesse ich beim Deutschlernen immer mehr Englisch", stellt sie lachend fest.

Arbeit im Pflegeheim
Ihr Studium finanziert sie sich, indem sie in der Kantine des Altenpflegeheims St. Ludwig, in Braunshardt, arbeitet. Wenn sie ihren Bachelor in der Hand hat, würde sie gerne in einem Unternehmen wie den Stadtwerken arbeiten. „Ich mag keine unübersichtlich großen Firmen. Hier schätze ich die persönliche Atmosphäre", erklärt sie. Ob sie dafür in Deutschland bleiben wird, weiß sie noch nicht genau. „Wenn ich in der Heimat eine sichere und gute Arbeitsstelle finde, dann würde ich die wahrscheinlich nehmen", sagt sie vorsichtig, ohne sich festlegen zu wollen. Besonders im Winter vermisst sie Kamerun schon sehr, beteuert sie. Auch deshalb fliegt sie einmal im Jahr gen Süden, wenn sie ihre Familie besucht.